Hilfe bei Gicht: Stoffwechsel

Bei den Körpervorgängen der Gicht spielt der Stoffwechsel eine zentrale Rolle.

Das ganze Hin und Her mit Purinen und Harnsäure kann da leicht zur Verwirrung führen.

Daher haben wir hier die Körpervorgänge noch einmal Schritt für Schritt erläutert.

Zellkerne in der Nahrung und in Körperzellen

Jedes Lebewesen besteht aus Zellen. Das gilt sowhl für Pflanzen als auch für Tiere und Menschen.

Die meisten Lebewesen umfassen Abermillionen von Zellen, ganz einfache Lebewesen bestehen aus einer einzigen Zelle.

Inmitten der Zellen gibt es jeweils einen Zellkern.

Der Zellkern enthält die Erbinformation, in der beschrieben wird, wie das jeweilige Lebewesen im Detail aufgebaut ist und funktioniert.

Die Erbinformation liegt Form von DNA (Desoxyribo-Nuklein-Säure) in den Chromosomen vor.

Die "Schrift" zur Beschreibung der ganzen Informationen besteht aus vier verschiedenen chemischen Basen.

Zwei dieser Basen sind sogenannte Purin-Basen. Diese beiden Basen heissen Guanin und Adenin. Beim Zerfall der Zellkerne werden sie freigesetzt.

Dies geschieht entweder dann, wenn bei der Verdauung die Zellkerne in der Nahrung aufgespalten werden.

Oder es geschieht, wenn körpereigene Zellen abgebaut werden.

Dass im Körper Zellen abgebaut werden, ist ganz normal. Schliesslich erneuert sich der Körper immer wieder selbst und zerstört zu diesem Zweck alte Zellen.

Bei schnellem Abnehmen oder bei künstlich herbeigeführtem Zelltod durch Chemotherapie werden mehr Zellen als üblich abgebaut, was Gichtanfälle auslösen kann.

Durch den Stoffwechsel werden die Purine über Zwischenstufen in Harnsäure umgewandelt.

Die Harnsäure wird mit dem Harn über die Niere und in kleinen Mengen auch über den Darm ausgeschieden.

Vom Zellkern zur Harnsäure

Hier ein Ablaufdiagramm vom Werdegang der Zellkerne bis hin zur Harnsäure:
Zellkerne aus der Nahrung
 

(ca. 300 mg/Tag)

Zellkerne aus dem Abbau
körpereigener Zellen

(ca. 350 mg/Tag)

Purin

Hypoxanthin

Xanthin

Harnsäure

Ausscheidung über den Darm

(ca. 20%)

Ausscheidung über die Niere

(ca. 80%)

Die Umwandlung von Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure wird durch das Enzym Xanthinoxidase durchgeführt.

Was ist Harnsäure?

Wie der Name schon andeutet, ist die Harnsäure eine saure Substanz, die normalerweise mit dem Harn ausgeschieden wird.

Ein gewisses Maß Harnsäure im Blut und im Urin ist ganz normal.

Nur wenn zuviel Harnsäure im Blut ist, kommt es zu Problemen.

Normale Harnsäurewerte

Die Harnsäure im Blut wird in mg/dl gemessen. Bis zu 6,5 mg/dl Harnsäure können im But störungsfrei fliessen, weil erst ab 6,5 mg/dl Harnsäure-Kristalle entstehen.

Hier eine Harnsäureskala mit den normalen Harnsäurewerten.

Normalwerte des Harnsäurespiegels
Frauen 2,5 bis 5,9 mg/dl
Männer 3,5 bis 7,0 mg/dl
Kinder 1,9 bis 5,9 mg/dl

Ausscheidung der Harnsäure

Täglich werden zwischen 450 und 800 mg Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden.

Die gesunde Niere baut die Harnsäure in den Harn ein, wodurch sie ausgeschieden werden kann.

Bei der Gicht wird weniger Harnsäure ausgeschieden als neu hinzukommt, dadurch sammelt sich die Harnsäure im Körper an.

Hyperurikämie = Zuviel Harnsäure im Blut

Wenn die Normalwerte aus der obigen Harnsäuretabelle überschritten werden, sprechen Fachleute von einer Hyperurikämie.

Das bedeutet: Zuviel-Harnsäure-im-Blut

  • Hyper = Zuviel
  • Urik = Wortteil für Harnsäure
  • Ämie = im Blut
Eine Hyperurikämie kann über Jahre hinweg bestehen, ohne dass es zu Gichtanfällen kommt.

Mit Hyperurikämie ist man aber stark von Gicht bedroht.

Wenn die Gichtwerte erhöht sind, sollte man sich möglichst purinarm ernähren, damit die Gicht nicht ausbrechen kann.

Harnsäurekristalle zerstören Gelenke

Bei der Gicht befindet sich zuviel Harnsäure im Blut.

Die Harnsäure sammelt sich in den Gelenken und Sehnenscheiden an.

Ab einer gewissen Konzentration bleibt die Harnsäure nicht mehr in Flüssigkeit gelöst, sondern fällt zu Kristallen aus.

In den Gelenken entstehen dadurch scharfkantige Kristalle, die nach und nach anwachsen.

Diese Kristalle reizen die Gelenke und führen schliesslich zu Entzündungen.

Auch in den feinen Nierengängen können die Harnsäurekristalle Schäden anrichten und so auf lange Sicht die Funktionsfähigkeit der Nieren beeinträchtigen.


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